Für Riester und die Betriebsrente gelten ab diesem Jahr neue Regeln. Bei den Zulagen für angehende Riester-Rentner legt der Bund mehr Geld drauf. Gut. Beim riestern über den Chef (in der Betriebsrente) entfallen künftig die Kassenbeiträge im Rentenalter. Auch gut. Kompliziert: Wie ist das und was ist zu tun, wenn der Chef ab 2018 einen Zuschuss zur Betriebsrente bezahlt? Und wenn der Mitarbeiter schon seit Jahren am riestern ist? In diesem Fall kommen Riester und Betrieb und Chef und Kunde durcheinander. Und – ehrlich gesagt – auch manche Finanzberater. Das zeigen deren zunehmende Nachfragen etwa in Fachportalen. Eine Gebrauchsanweisung.

Seit dem Jahr 2002, seit es Riesters Rente gibt, kommen selbst Profis „dank“ der Riester-Gesetze immer wieder mal ins Schwimmen. Etwa wenn der Kunde eine Familie ist. Dann gilt es für den von den Riester-Gesetzen Betroffenen (Kunden, Berater und auch Journalisten) voll konzentriert zu sein. Damit sind wir bei dem ersten Problem: Dem Riester-Prinzip, das zwar einfach klingt, aber den Sparern in der Realität Probleme schafft. Jeder Ehepartner braucht seinen eigenen Riester-Vertrag. Positiv daran ist: Diese Regel folgt dem Grundsatz, wonach jeder Ehepartner seine eigene Zusatz-/Rente haben sollte.

Die in den letzten Jahren geschiedenen Ehen bestanden im Schnitt 15 Jahre lang, sagt das Statistische Bundesamt. Ebenfalls positiv: Im Scheidungsfall behalten die Ex-Ehepartner ihren Riester-Vertrag, so wie etwa die Kinderzulagen in der Vergangenheit auf die Eheleute verteilt wurden. Schließlich gibt es eben dafür den Zulagenantrag, der auch für den Fall einer Scheidung gültig bleibt. Gehen wir einmal in den Riester-Alltag. Eine Familie will riestern, weil sie riestern soll, sagen die Politik und die Versicherungen oder Banken ihnen. Also riestern? Die Verbraucherschützer warnen. Wissen aber vor allem, wie es NICHT geht oder stiften Verwirrung.

„Zu teuer!“

Wer als Verbraucher regelmäßig Zeitung liest oder Nachrichtenportale im weltweiten Netz anklickt, der hadert mit der zulagengeförderten, kapitalgedeckten Zusatzvorsorge. Pardon: Riester-Rente. Und das geht so – davon können auch Finanzberater aus dem wirklich wahren Leben berichten:

Der Musterfall sei eine junge Familie mit zwei Kindern. Der Vater verdient das Geld, die Frau erzieht die kleinen Kinder der jungen Familie. Fragen: Soll der Mann möglichst viel Geld bei Riester einzahlen, damit seine Rente höher wird? Soll er also auf Kinderzulagen verzichten, damit die Ehefrau davon profitiert und deren Vertrag mehr Geld abwirft? Der Finanzberater empfiehlt das dem Vater: Er solle höhere Eigenbeiträge einzahlen und die Mutter solle mit den Kinderzulagen ausgestattet ihre eigene Riester-Rente päppeln. Das Problem im Gespräch: Mann und Frau sagen zum Berater: „Zu teuer!“.

„Schatz, pack du meine Zulage dazu“ – das geht nicht

Denn je mehr Eigenbeitrag der „verdienende“ Ehemann riestert, desto mehr wird die gerade in jungen Familien knappe Haushaltskasse belastet. Also packt der Riester-Berater die Kinderzulagen zum Mann, so dass der weniger einzahlen muss, was die Haushaltskasse schont. Schon diese Verteilungsfrage, wer die Kinder-Zulagen bekommt, der Mann oder die Frau, hat neben Ärger der Beteiligten außerdem schon zur Verwirrung bei Riester beigetragen. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass bei Riester noch weitere Punkte zu beachten sind.

Menschlich betrachtet: Wenn bereits die Zulagen-Frage die Konzentration der Kunden regelrecht aufbraucht, was soll dann mit weiteren Riester-Fragen und erforderlichen Antworten passieren? Was wäre einfacher? Wenn Ehepartner „vorläufig“ (also bis zu einer Scheidung) ihre Zulagen (Mann, Frau, Kinder) in einen Vertrag packen könnten: „Schatz, pack du meine Zulage in deinen Vertrag dazu“. Das geht nicht, sagt das Altersvermögens-, ergo das Riester-Gesetz.

Es ward ein Kind geboren

Gern genommen werden Riester-Fragen, nicht nur der Verbraucher, sondern auch von manchen Finanzberatern, die etwa zum Jahresende 2017 berichteten und in Fachforen im Internet fragen: „Hilfe! Meine Kundin hat ihr erstes Kind bekommen. Was mache ich jetzt noch schnell bis zum 31. Dezember mit dem Riester und den Zulagen?“ Die zutreffende Antwort lautet: Nichts! Riester ist so kompliziert, dass selbst im Kundenkontakt trainierte(!) Fachleute ins Schwimmen geraten. Etwa, weil sie bei Neugeborenen vergessen, dass für die Beitrags- und Zulagen-Kalkulation nicht das laufende Kalenderjahr gilt, sondern das alte vorhergehende Jahr.

Merke: Wir sind im Dezember 2017. Es ward ein Kind geboren? Und Riester…? Egal! Vergiss das laufende Jahr 2017. Für Riester gilt 2017 regelgerecht der Blick in das Jahr 2016 und deren sozialversicherungspflichtiger Jahreslohn x 4 Prozent. Abzüglich Zulagen. Fertig. Ist das jetzt zu banal, belehrend? Selbiges gilt 2018: Für den Riester-Beitrag in diesem Jahr gilt das Vorjahr 2017. Immer. Mit oder ohne neugeborene Kinder der Familie.

Der Gipfel der Riester-Problemfragen: Riester plus Betriebsrenten-Zuschuss – und nun?

Riestern ist wirklich nicht einfach. Vor allem dann nicht, wenn der Finanzprofi dessen komplizierte Regeln gegenüber dem Verbraucher verdaulich erklären soll. Hier kommt der Gipfel. Ein Finanzmann fragte dieser Tage: „Mein Kunde kriegt jetzt einen Arbeitgeberzuschuss für seine Betriebsrente. Dafür will er seine private Riester-Police stoppen und an den Chef geben. Was tun?“ Das ist einfach, und doch so schwierig, denn hier verheddern sich zwei Paragraphen zur Betriebsrente. § 3 Nr. 63 EstG zur Entgeltumwandlung („normale“ Betriebsrente), also auch Beiträge des Mitarbeiters im Betrieb. Und der § 3, aber dieses Mal mit der Unternummer 55 zu Riester, der letztlich nur sagt, dass auch ein Riester innerhalb der Betriebsrente auf einen Anbieter übertragen werden darf.

Aber beide Paragraphen stehen im Widerspruch zueinander. Nur kann das realistisch betrachtet fast nur der Fachjurist erkennen. Abgekürzt: Wer bisher geriestert hat (auch betrieblich) und dem der Chef nun einen Zuschuss zur Betriebsrente anbietet, der muss sich entscheiden. Entweder ein Zuschuss vom Chef zur Betriebsrente: Das kostet nichts, wie es das Wort „Zuschuss“ bereits sagt. In diesem Fall setzt der Chef (NICHT der Mitarbeiter!) den Beitrag als Betriebsausgabe von der Steuer ab.

Oder eben der Mitarbeiter wählt Riester – egal, ob innerhalb der Betriebsrente oder privat. Dann kann er seine Beiträge nach § 92 EstG von der Steuer absetzen. Beides, Zuschuss vom Chef (der seine Beiträge steuerlich geltend macht) und diesen Zuschuss dann nochmal via § 92 absetzen, das geht steuersystematisch natürlich nicht. Was geht: Riester als Selbstzahler entsprechend den Beitragsregeln. PLUS Betriebsrenten-Zuschuss des Chefs. Unterm Strich bleibt dabei der Riester unverändert, auch dessen Kosten. Obendrauf kommt die geschenkte Betriebsrente des Chefs. Fertig.

Nachrichtlich die wichtigsten Änderungen des Jahres 2018 für Riester- und Betriebsrente zusammengefasst:

Riester:

  1. Die Zulagen für Erwachsene steigen von bisher 154 auf 175 Euro.
  2. Beiträge für Riester-Verträge bleiben in der Ansparphase zwar abgabenpflichtig. Aber in der Renten-Phase entfallen künftig Krankenkassen-Beiträge. Bisher galt das nicht für Riester-Verträge innerhalb der Betriebsrente (für private Verträge allerdings schon immer seit 2002).

Betriebsrente:

  1. Kleinverdiener bis 2.200 Euro Monatsbrutto können vom Chef 240 bis 480 Euro Zuschuss erhalten, den die Firma steuermindernd beim Finanzamt geltend machen kann.
  2. Für eigene Beiträge der Mitarbeiter (Entgeltumwandlung) muss der Chef ab 2019 zwingend 15 Prozent Arbeitgeber-Zulage bezahlen (schließlich spart der Chef gar rund 20 Prozent Arbeitgeber-Anteil an diesem Geld). Ab 2022 gilt diese Zuschuss-Pflicht des Arbeitgebers auch für ältere Verträge, etwa aus der Zeit bis 2017 geschlossene Verträge.
  3. Arbeitnehmer können seit 2018 bis zu acht Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in Betriebsrente umwandeln. (Die ersten) Vier Prozent bleiben unverändert beitragsfrei bei den Sozialabgaben.

Für beides sowie für die Basisrente („Rürup-Rente“) gilt:
Geförderte Renten werden vom Sozialamt bis zur Höhe von 200 Euro pro Monat nicht mehr auf die Grundsicherung angerechnet, also nicht gekürzt.

Titelbild: ©Artem

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