Glaubt man beim Blick auf die Riester-Rente den Verbraucherschützern vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), dann müssten die Versicherungen 50 Prozent höhere Renten für die Sparer auszahlen. Das ist kein Rechenfehler. Der VZBV hat nämlich gar nicht gerechnet. Vielmehr hat der Verband trotz der andauernden Niedrigzins-Phase dennoch phantastische vier Prozent Zins angesetzt. Bei Versicherungen wäre das ein böses Foul. Wer erklärt es dem Kunden, wenn nicht die Versicherer und ihr Vertrieb?

„Riestern fast immer zu teuer“. Das meldet der VZBV am 3. Januar des neuen Jahres an die Presse, die daraufhin breit über die Behauptung des Verbands berichtete. Der hat nach eigenen Angaben Zinsannahmen für die Riester-Rente aus dem Alterssicherungsbericht der Regierung übernommen, der sich unter anderem mit der Zusatzrente beschäftigt. Damit habe man für Verbraucher „eine rechnerische Basis geschaffen, um ausgewählte Produkte im Verhältnis zu einem Referenzwert vergleichen zu können“, schreibt der VZBV.

VZBV-Annahmen ergeben 50 Prozent zu hohe Riester-Renten

Nehmen wir ein Rechenbeispiel: 30 Jahre riestern, 100 Euro pro Monat, die in den Sparvertrag fließen. Dafür gebe es vier Prozent Zins brutto, also noch vor dem Abzug von Kosten gerechnet. Dies sei die „rechnerische Basis“ des VZBV, bei der vom Beitrag noch zehn Prozent Kosten abzuziehen seien. Und nach Adam Riese kommt im Beispiel der Verbraucherschützer eine Nettorendite von 3,35 Prozent heraus. 4,00 minus 3,35 = 0,65 Prozent Renditeminderung. So werden die Effektiv-Kosten ermittelt und stehen als Prozentwert auch in den Produktblättern der Versicherer vorschriftsmäßig angegeben.

Aus den Annahmen des VZBV würden bei 3,35 Prozent Nettorendite nach 30 Jahren knapp 66.000 Euro Endwert für die Riester-Rente werden. Oder umgerechnet 185 Euro Rente, wenn man einen Rentenfaktor von 30 Euro je 10.000 Euro Kapital setzt, wie es die Lebensversicherer tun. Diese Anbieter rechnen je nach Kosten im schlechtesten Fall mit 100 Euro, im besseren Fall wegen geringerer Kosten mit rund 125 Euro Riester-Rente pro Monat für ihren Riester-Kunden, die in diesem Beispiel 30 Jahre gespart haben.

Versicherer dürften mit den VZBV-Zahlen nicht rechnen

Der VZBV-Wert, mit dessen Annahmen gerechnet, von 185 Euro ist also mindestens 50 Prozent zu hoch. Kein Wunder, wenn der Zinsansatz mit vier Prozent viel höher ist als die zulässigen Annahmen der Versicherer. Heutzutage, im Zinstal, rechnen die Versicherer in ihren Angeboten für die Kunden, vor allem in ihren offiziellen Produktblättern (kompakt auf zwei A4-Seiten), allenfalls mit zwei Prozent bei „klassischen“ Policen oder drei Prozent Zins-Annahme bei Fondspolicen, die höhere Renditechancen bieten. Würden die Versicherungen die vier Prozent des VZBV ansetzen, gäbe es von der Finanzaufsicht BaFin auf die Finger!

Der VZBV hätte seine Annahmen für den Riester-Zins auch einmal mit zwei Prozent Zins berechnen sollen, so wie die Produktanbieter es auch tun (müssen!). Hat er aber nicht. Bitteschön: Bei brutto zwei Prozent vor Kosten käme der VZBV nach Abzug der Effektiv-Kosten von 0,65 Prozent auf netto 1,35 Prozent Rendite. Das macht in Euro rund 44.500 Euro Kapital oder 133 Euro Rente. Wie oben genannt zum Vergleich: Der beste Riester-Vertrag der Versicherer kommt mit 125 Euro Rente schon nah an den VZBV-Wert heran – wenn der VZBV mit den realistischen zwei Prozent rechnete, die die Versicherungen in ihren Produktblättern auch anwenden (müssen!).

Die Riester-Beratung kostet 10 Euro Rente – na und?

Nun haben wir die Annahmen des VZBV und der Versicherer in deren Produkt verglichen. Rechnen beide mit zwei Prozent Zins (abzüglich Kosten), dann kämen beim Ansatz des Verbands (10 Prozent des Beitrags seien Kosten) unterm Strich rund 10 Euro mehr Rente pro Monat heraus als bei den Versicherungen. Grob gesagt: Nach VZBV-Kostenansatz gäbe es zehn Prozent mehr Rente oder 130 Euro Rente hier gegen 120 Euro Rente bei den Versicherern. Schon dies zeigt, dass die Kostenannahmen der Versicherungen realistisch sind. Wenn Äpfel mit Äpfeln verglichen werden, nämlich zwei Prozent Zins für jeden Rechner gelten – auch für den VZBV!

Merke: Also kostet die Riester-Police den Kunden beim Versicherer 10 Euro Rente. 10 Euro weniger als der VZBV es „will“. Aber wer blickt denn beim Riestern durch? Selbst Profis kommen „dank“ der Riester-Gesetze immer wieder ins Schwimmen. Etwa wenn der Kunde eine Familie ist. Nehmen wir mal den Standardfall: Der Mann verdient das Geld, die Frau erzieht die kleinen Kinder der jungen Familie. Soll der Mann möglichst viel riestern? Also auf Kinderzulagen verzichten, damit die Ehefrau davon profitiert? Dann sagen Mann und Frau zum Berater aber „zu teuer“. Also packt der Riester-Berater die Kinderzulagen zum Mann, so dass der weniger einzahlen muss, was die Haushaltskasse schont.

Wer erklärt es dem Kunden?

Merke: Jeder Verdiener muss vier Prozent von seinem Jahresbrutto in den Riester einzahlen, darf aber von diesem Betrag die Zulagen (mal mit, mal ohne Kinder) abziehen. So weit, so kompliziert schon der Standardfall. Aber wer erklärt es dem Kunden? Nicht der VZBV, sondern die Menschen beim Kunden: Finanzberater. All dies jedenfalls so lange, bis das erste Riester-Portal im Internet so „schlau“ und so gut aufbereitet ist, dass der „Hans von der Werkbank das mit dem Riester-Dingens“ auf Anhieb versteht. Und bis dahin „kostet“ riestern eben 10 Euro Rente. 10 Euro Rente weniger als der VZBV es „will“.

Titelbild: © fergregory

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