„Der beißt nicht, der will nur spielen!“

Ein Satz, den wirklich jeder Hundebesitzer schon einmal gesagt hat. Denn einen Hund zu erziehen, sieht bei erfahrenen Hundeprofis wirklich einfach aus. Sitz! Platz! Aus! – Kein Problem. Zumindest bei Martin Rütter & Co. Doch die Realität sieht anders aus.

Sitz…Sitz…Sitz…

Der beste Freund des Menschen lässt sich manchmal gerne bitten. Und während in der Hundeschule unter den Augen des Trainers alles glatt läuft, übernimmt der Hund in gewohnter Umgebung wieder seine Postition – die Alpha-Rolle. Das Herrchen: Futtergeber. So verwundert es nicht, dass der ein oder andere Strolch schon mal etwas ausheckt. Doch die Schuldfrage ist noch lange nicht geklärt, denn die geliebten Vierbeiner können eigentlich nichts dafür, oder?

Schuldig oder nicht?

Egal wie groß der Hund, kein Halter ist vor einem Schaden sicher. Das beweisen nun die vom GDV zusammengetragenen kuriosen Urteile zu Wastl, Fiffi & Co. Wir stellen Ihnen die neun Wichtigsten vor:

Urteil 1: Mein Hund hat das Bad geflutet!

Es klingt kurios, aber in diesem Fall, hat ein Hund tatsächlich einen Wasserschaden verursacht. Der Vierbeiner verstopfte den Abfluss eines Waschbeckens mit zerrissenem Toilettenpapier und drehte danach das Wasser auf. Den Schaden in der Nachbarswohnung musste der Halter jedoch nicht bezahlen. Das Gericht entschied, dass es sich hier um eine sehr unglückliche Verkettung von Umständen handelte. (Az.: 19 S 1968/99)

Urteil 2: Der will nicht nur spielen.

Zwei Hundehalter ließen ihre vierbeinigen Kameraden – einen Rottweiler und einen Schäferhund – miteinander spielen. Doch als beide Besitzer ihre Hunde wieder anleinen wollten, war dem Schäferhund noch nicht zum Gehen zumute. Er biss den Besitzer des Rottweilers drei Mal in den Schenkel. Das Gericht sprach ihm Schmerzensgeld in Höhe von 600 Euro zu. (Az.: 4 O 15/98)

Urteil 3: Wer mag schon gern zum Arzt?

Das dachte sich wohl auch ein Hund, der zu einer OP bei einem Tierarzt in Celle war. Denn nach dem Aufwachen aus der Narkose biss der Hund den Arzt. Das Gericht urteilte für beide Seiten. Tierhalter seien auch in Abwesenheit für ihre Tiere verantwortlich. Doch auch der Tierarzt hätte mit einem Biss rechnen müssen. (Az.: 20 U 38/11)

Urteil 4: Mein Hund hat eine Rotgrün-Schwäche.

Wenn der Hund über die Straße rennt, dann spricht ihn seine Rotgrün-Schwäche noch lange nicht von seiner Schuld frei. Denn verursacht er einen Verkehrsunfall, muss der Halter in voller Höhe für den Schaden aufkommen. In manchen Fällen wird jedoch auch der Autofahrer in die Verantwortung genommen, insofern er nicht beweisen kann, dass der Unfall auch tatsächlich ein solcher war. (Az.: 4 C 108/97)

Urteil 5: So ein Hundeleben…

…ist besonders schön, wenn man getrost an jeder Stelle ein Nickerchen halten kann. Doch stürzt jemand über den schlafenden Hund, ist dies ein Fall für die Tierhalterhaftung. So entschied das Gericht bei einer Kundin, die über den am Eingang liegenden Hund gefallen war. 15.000 Euro Schmerzensgeld wurden für sie fällig. (Az.: 19 U 96/12)

Urteil 6: Urlaub für den Hund.

Der Jahresurlaub steht an. Für den Vierbeiner ist auch schon Platz in einer Hundepension gemietet. Doch der Betreuer war dem Hund wohl nicht genehm. Er biss zu. Die Haftung muss der Hundebesitzer übernehmen, urteilte der Bundesgerichtshof. Schmerzensgeld oder Schadenersatz wurden von der Tierhalterhaftung des Besitzers übernommen. (Az.: 20 U 38/11)

Urteil 7: Der böse schwarze Wolf.

Eine Passantin erschreckte sich dermaßen vor einem auf sie zu rennenden, bellenden Hund, dass sie auswich und stürzte. Obwohl der Hund angeleint war, musste die Hundehalterin dafür haften und die Behandlungskosten übernehmen. (Az.: 13 O 150/11)

Urteil 8: Der Klassiker: Hunde und Fahrradfahrer.

Als ein Radfahrer an einem Spaziergänger mit Hund vorbeifuhr, erschreckte er sich vor dessen Gebelle dermaßen, dass er stürzte. Schmerzensgeld bekam der Radfahrer jedoch nicht. Denn er trug Kopfhörer mit lauter Musik, wodurch er sich laut Gericht falsch auf die Situation eingestellt hatte. (Az.: 12 C 766/13)

Urteil 9: Das ganze Rudel.

Ein Biss eines Hundes ist keine angenehme Sache. Vor allem dann nicht, wenn der Hund seinen eigenen Besitzer oder dessen Familienmitglieder attackiert. Denn dann greift auch die Tierhalterhaftung nicht. Familienmitglieder gelten in aller Regel auch als Halter, wodurch kein Schmerzensgeld oder Schadensersatz geltend gemacht werden kann. (Az.: 4 U 420/09)

Hundehalterhaftpflicht: Ein Muss?!

Nicht überall in Deutschland ist eine Hundehalterhaftpflicht Pflicht. Lediglich in Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen muss für jeden Hund eine Versicherung abgeschlossen werden. Unabhängig von Größe und Rasse. Anders sieht es in den übrigen Bundesländern aus, denn dort bestimmt die Rasse über die Versicherungspflicht. Halter von als besonders gefährlich eingestuften Hunden (Listenhunde) sind dort meist verpflichtet eine Hundehalterhaftpflicht abzuschließen. In Bayern, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern besteht für keinen Hund eine spezielle Versicherungspflicht.

Nicht teuer und was wert

Die Hundehalterhaftpflicht schützt nämlich nicht nur bei gefährlichen Szenarien, wie einem Hundebiss, sondern auch bei durch den Hund verursachten Schäden an fremden Eigentum. Urin-Flecken auf dem neuen Teppich des Nachbarn oder auch dem zerfledderten Lederschuh des Besuchs. Die Hundehalterhaftpflicht gehört mit einer Beitragszahlung ab 40 Euro im Jahr und bei einer Deckungssumme von bis zu 3.000.000 Euro zu den günstigsten Versicherungen. Verbraucherschutzzentralen raten übrigens zum Abschluss einer Police. Denn viele Haftpflicht-Versicherungen springen selbst dann ein, wenn Frauchen oder Herrchen gegen Pflichten wie den Leinenzwang verstoßen haben.

Titelbild: ©mariiya

Beitragsbilder: ©adogslifephoto, ©anya_titanya, ©glisic_albina, ©lanarusfoto, ©natasnow, ©lisa1305, ©Seroma72, ©Aleksey, ©K. Thalhofer

Vanessa Solleder

Ihr Ansprechpartner: Vanessa Solleder

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