FinTechs sind die Rockstars der Branche. Jung, modern und nach eigenem Bekunden gern disruptiv, haben sie nicht mit dem ramponierten Image einer Bank zu kämpfen. Und sie verbinden Finanzdienstleistungen mit einer technischen Leichtigkeit, die der Konkurrenz in Anzug und Krawatte fehlt. Die Hypoport AG aus Berlin schließt diese Lücke.

Als FinTech begreift sich das Unternehmen aber nicht. Eher als klassischer Finanzdienstleister, der durch die Verschmelzung traditioneller Finanzmarkt-Kompetenzen mit modernster Technologieentwicklung die Digitalisierung des Marktes vorantreibt. Statt zwischen den Stühlen zu sitzen, besetzt Hypoport einfach viele Stühle. Deshalb auch der selbst gegebene Beiname: The Finance Integrator. Trotzdem fliegt das Unternehmen unter dem Radar: Weil es gegenüber dem Endverbraucher nicht offen in Erscheinung tritt.

Die Zahlen stimmen

Hypoport 5 Jahres Chart von Finanzen.net

Hypoport 5 Jahres Chart von Finanzen.net

Um die Entwicklung der seit 2015 im SDAX gelisteten Hypoport-Aktie zu beschreiben, bedarf es nur eines Wortes: rasant! In den vergangenen fünf Jahren legte das Unternehmen mehr als 1.500 Prozent zu. Auch die Zahlen der zurückliegenden neun Monate sprechen eine deutliche Sprache. Der Umsatz stieg um 27 Prozent, von 113,5 auf 143,7 Millionen Euro. Das EBIT, also das operative Ergebnis, stieg im selben Zeitraum ebenfalls um zehn Prozent. Vor allem die Bereiche Kreditplattform und Privatkunden legten stark zu. Das Ergebnis pro Aktie kletterte um 14 Prozent.

„Wenn alle verkaufen, kaufe!“

Hingegen im vergangenen Monat stürzte der Kurs um 17 Prozent. Hypoports kleinster, aber gleichzeitig volatilster Geschäftsbereich „Institutionelle Kunden“ erzielte im dritten Quartal 2017 nur ein unterdurchschnittliches Ergebnis. Das zog eine Gewinnwarnung nach sich, die offenbar einige Anleger verschreckte. Reagierten hier Marktakteure zu kurzsichtig? Gut möglich. Denn Analyst Philip Häßler von der Investmentbank Equinet gab kurz darauf eine Kaufempfehlung für die Aktie aus. Auch andere Analysten, etwa von Warburg oder Berenberg, sind zufrieden und empfehlen weiterhin den Kauf. Und die jüngsten Zahlen geben ihnen recht: Bereits diese Woche legte der Kurs wieder um mehrere Prozent zu.

Das läge vor allem daran, dass Hypoport nicht auf Venture Kapital angewiesen sei, sondern sich selbst finanzieren könne. Außerdem, da sind sich die Analysten einig, ist das Geschäftsmodell extrem skalierbar.

Das Undercover-Monopol

Aber was genau macht Hypoport so stark? Die wichtigsten Zugpferde der Unternehmensgruppe sind die Töchter Europace und Dr. Klein. Letzterer ist ein erfolgreicher Vertrieb von Finanz- und Versicherungslösungen, insbesondere für Immobilienkredite. Sowohl online als auch offline in einem Franchise-System bietet Dr. Klein Beratung und Vermittlung an. Und das nachfrageorientiert. Dadurch konnte sich die Hypoport-Tocher eine starke Marktreputation aufbauen und gilt als feste Größe in Deutschland.

Europace ist eines der spannendsten und vor allem zukunftsträchtigsten B2B-Projekte im deutschen Finanzmarkt. Es ist eine Software-Plattform, die eine Verbindung zwischen Finanzproduktanbietern, also Banken, Versicherungen und Bausparkassen und Finanzvertrieben herstellt. In den ersten drei Quartalen des Jahres erreichte Europace ein gesamtes Transaktionsvolumen von etwa 36 Milliarden Euro. Europace als neutraler B2B-Marktplatz ist „mit keiner anderen Plattform vergleichbar“, wie es von Unternehmensseite heißt. In anderen Worten: Hypoport hat sich damit ein natürliches Quasi-Monopol geschaffen.

Eroberungszug setzt sich fort

Aber nicht nur das. Auch im neuesten Geschäftsbereich „Versicherungsplattform“ läuft es derzeit für Hypoport. Jüngsten Zahlen zufolge verdreifachte sich hier der Umsatz. Er umfasst eine Plattform zur Beratung, zum Tarifvergleich und zur Verwaltung von Versicherungspolicen. Außerdem gehören Softwareentwickler und B2B Vertriebsgesellschaften mit zum Portfolio.

Vor allem über die Tochter Smart InsurTech GmbH dehnt das Unternehmen seinen Einfluss weiter aus. Es kauft fachliche und technische Kompetenz sowie Kundenbestände gleichermaßen ein. Allerdings gibt es hier bereits einige Anbieter am Markt. Auf die Frage, wer sich in diesem Markt durchsetzen werde, gibt man sich bei Hypoport bescheiden optimistisch: „Hypoport hat das technische Know-how und die notwendigen finanziellen Möglichkeiten es zu nutzten.“

Außerdem kommt den Berlinern zu Gute, dass der hohe Kostendruck in der Branche die Suche nach einfachen und effizienten Geschäftslösungen befeuert. Denn das ist im Kern die Idee, die hinter der Versicherungsplattform steht. Und im Grunde hinter der gesamten Unternehmung: die Vertriebswelt der komplexen Märkte der Finanz- und Versicherungsbranche mit überlegenen technologischen Lösungen ausstatten.

CEO als Großaktionär

Das weiterhin erklärte Ziel von Wachstum und Zukauf hat Hypoport in Fachkreisen den Ruf eines dynamischen und vielseitigen Akteurs beschert. Ob sich die Berliner auch am Versicherungsmarkt werden durchsetzen können, mag die Zukunft zeigen. Eine Überlegung ist die Anlage aber allemal wert. Aktuell steht die Hypoport-Aktie bei 129,25 Euro am Börsenhandelsplatz XETRA. Bei einem Höchstkursziel von 164,- Euro (Equinet). Investitionen sind beispielsweise über den Fonds Mittelstand & Innovation der DJE Investment S.A. möglich. Der aktiv gemanagte Small- und Mid-Cap-Fonds investiert vor allem in „Hidden Champions“ in der D-A-CH Region. Übrigens: CEO Ronald Slabke hält (unter anderem über die Revenia GmbH) selbst knapp 37 Prozent der Anteile an Hypoport.

Titelbild: © CEO Ronald Slabke, Hypoport AG
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