Arbeiten, weil man will, nicht weil man muss. Angstfrei, eigenmotiviert und selbstbestimmt. Jetzt ist auch Mark Zuckerberg dafür, sich das bedingungslose Grundeinkommen einmal genauer anzuschauen. Denn: “Heute vernichten Technologie und Automatisierung viele Jobs“, sagt er in einer Rede in Harvard vor dem Abschlussjahrgang 2017.

“We should have a society that measures progress not just by economic metrics like GDP, but by how many of us have a role we find meaningful. We should explore ideas like universal basic income to give everyone a cushion to try new things.”

Übersetzt: “Wir sollten eine Gesellschaft haben, die Fortschritt nicht nur in ökonomischen Einheiten wie dem Bruttosozialprodukt misst, sondern daran, wie viele von uns einen Sinn in dem finden, was sie tun. Wir sollten Ideen wie das bedingungslose Grundeinkommen erforschen, um jeden die Sicherheit zu geben, Neues auszuprobieren.” Nach Elon Musk also ein weiterer prominenter Befürworter. Zu idealistisch? und am menschlichen Wesen vorbei?

Der Elchtest

Die Finnen testen das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) gerade in einem Pilotprojekt. 2.000 Menschen, die als arbeitssuchend gemeldet waren, haben in einer Lotterie ein Einkommen von 560 Euro monatlich gewonnen. Ohne Wenn und Aber, ohne Einschränkungen und ohne weitere Formulare. Jeder Euro, den sie sich dazu verdienen, gehört zu 100 Prozent ihnen. Keine Abzüge beim Grundeinkommen, aber natürlich greifen dann die normalen Steuersätze.

Wie es bisher läuft

Das statistische Bundesamt hat gerade festgestellt, dass die Hauptausgabe der Haushalte in Deutschland auf das Wohnen entfällt. Wer jemals Angst hatte, seine Wohnung zu verlieren, weil er die Miete wegen Arbeitslosigkeit nicht mehr aufbringen konnte, weiß, dass sich das nach einer existenziellen Bedrohung anfühlt. Und Angst lähmt, raubt jegliche Kreativität und macht krank. Keine guten Voraussetzungen für einen Neustart ins Berufsleben.

Und was dazu kommt: Nimmt man öffentliche Hilfen in Anspruch, muss man fast jeden Cent zurückführen, den man nebenbei verdient. Das ist vor allem für Selbständige hart, deren Auftragslage schief hängt. Verdienen sie etwas, müssen sie es wieder abgeben, verdienen sie zu viel, fliegen sie aus dem Hilfe-Programm, bevor vielleicht der Grundstock für eine neue Existenz gelegt ist. Vermietet man ein Zimmer unter, gilt das als Verdienst, auch wenn man sonst vielleicht die Wohnung nicht halten kann. Alles kompliziert, vieles widersinnig. Und vieles erstickt jede Initiative im Keim.

Große Zustimmung in der Bevölkerung

In Deutschland gibt es eine große Zustimmung zum BGE und die dahinter stehende Organisation will nun als Ein-Programm-Punkt-Partei in den Bundestag. Seit 1986 sind die Befürworter in der Organisation BIEN europaweit zusammengeschlossen. Hier werden auch weltweit laufende Projekte beobachtet.

Laut einer Umfrage des Cashbackportals Shoop.de, sagen fast drei von vier Deutschen, dass sie bereits vom Prinzip des Grundeinkommens gehört haben. 43 Prozent davon haben sich sogar schon intensiv damit beschäftigt. Insgesamt trifft das Thema aber auf breite Zustimmung in der Bevölkerung. So sagt eine Mehrheit von 75 Prozent, dass sie für die Einführung einer solchen Grundsicherung wäre. Besonders hoch ist die Zahl der Befürworter bei den 40 bis 49-Jährigen sowie 50 bis 59-Jährigen. Hier sprechen sich jeweils vier von jünf (80 bzw. 79 Prozent) dafür aus. Und auch in den anderen Altersgruppen liegt die Zustimmung bei über 70 Prozent.

Faul oder fleißig?

bedinungsloses Grundeinkommen

Peter Brueghel der Ältere, Schlaraffenland, Alte Pinakothek München

Die Zustimmung ist vor allem vom jeweiligen Menschenbild abhängig. Ist der Mensch grundlegend faul oder fleißig? Braucht er den Druck, um etwas zu vollbringen und würde er sich andernfalls wie im Schlaraffenland auf die faule Haut legen?

94 Prozent der Befürworter sind der Meinung, dass jeder Mensch Anspruch auf wirtschaftliche Absicherung hat und dass die soziale Ungleichheit in Deutschland ohne die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens zunehmen würde. Neun von Zehn (90 Prozent) sagen zudem, dass durch ein BGE auch bisher schlecht bezahlte Jobs finanziell aufgewertet würden. Und 82 Prozent der Befürworter meinen, dass Deutschland sich als reiches Land ein Grundeinkommen durchaus leisten kann. Lediglich acht Prozent sind für ein BGE, weil sie keine Lust haben zu arbeiten.

Aber auch die Kritiker haben Argumente: So sagen immerhin 91 Prozent der BGE-Gegner, dass nicht für die Faulheit der Menschen bezahlt werden sollte. Neun von zehn von ihnen (90 Prozent) geben zudem an, dass sie es nicht einsehen, genauso viel Geld zu erhalten, wie jemand der weniger oder gar nicht arbeitet. Und 94 Prozent der Kritiker meinen, dass auch die Einführung eines Grundeinkommens nichts an den aktuellen sozialen und politischen Problemen des Landes ändern würde.

Dein Geld kann mehr

Wer selber in den Genuss so eines Einkommens kommen will, kann sich bei der Lotterie Mein Grundeinkommen eintragen. Der Gewinner bekommt ein Jahr lang 1.000 Euro pro Monat. Auf die faule Haut legen ist hier wohl eher nicht angesagt, schließlich wollen die Spender sozial erwünschte Projekte sehen. Und Spenden sind dringend nötig, um das Projekt aufrecht zu erhalten.

Titelbild:© Beitragsbild: © Stefan Kühn

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